Grafikrechner
Hinweis: Die nachfolgenden Informationen beziehen sich teilweise auf Grafikrechner, die so nicht mehr
im Handel sind. Der eigentliche Taschenrechnertest beschreibt den Stand im Jahre 2004.
Am Ende diese Seite findet man einen kurzen Abriss der weiteren Entwicklung auf dem Grafikrechner-Markt seit 2004.
Vergleichstest 2004
Im Jahr 2004 habe ich fast alle Graphikrechner ohne Computeralgebrasystem (CAS) der Hersteller Casio, Sharp und Texas
Instruments einem ausführlichen Vergleichstest auf der Grundlage bestimmter Kriterien unterzogen.
Die Testteilnehmer waren:
Nicht getestet wurden
- die Modelle von HP, weil ihr Hauptanwendungsgebiet im Hochschulbereich liegt.
Anders als die o.g. Hersteller bemüht sich HP auch in keiner Weise, seine Rechner durch didaktisches Material im schulischen Bereich zu platzieren.
- der TI-83 Plus, weil man zu diesem Preis bereits einen Taschenrechner mit CAS bekommt (nämlich den Casio Algebra FX 2.0 Plus) und angesichts des geplanten Einsatzes in der Mittelstufe der Taschenrechner nicht teurer als unbedingt nötig sein sollte.
- Der Casio CFX-9850 GB Plus (der ab 2005 "CFX-9850 GC Plus" heißt) wurde ebenfalls nicht getestet, weil er sich nur
geringfügig vom getesteten Casio FX-9750G Plus unterscheidet. Auf diese Unterschiede wird bei der Besprechung des FX-9750G Plus eingegangen.
Entwicklung seit 2004
2005
- Der TI-84 Plus wird als großer Bruder des TI-83 Plus eingeführt. Der TI-84 Plus hat gegenüber
dem TI-83 Plus einen erweiterten Funktionsumfang (viel implementierte Software) und eine höhere Rechengeschwindigkeit
und das zu einem Preis unter 100 Euro. Wem das nicht genügt, der kann zur Luxus-Variante TI-84 Plus SilverEdition
greifen: Optisch aufgewertetes Gehäuse, verbessertes Display, noch mehr Speicher (d.h. mehr installierbare
Applikationen) und noch schneller als der TI-84 Plus. Und das alles zu einem Preis ab 120 Euro.
2006
- Texas Instruments ersetzt den TI-82 durch den TI-82 Stats, der den TI-82 um Statistikfunktionen erweitert.
Es hat allerdings nicht den Anschein, als hätte sich an den Mängeln des TI-82 etwas geändert.
- Mit dem FX-9860G erweitert Casio seine Palette um einen leistungsstarken Grafikrechner, der
dem FX-9750G in Leistung und Funktionsumfang überlegen ist und über die gleiche "natürliche Darstellung" mathematischer
Ausdrücke verfügt wie die Schulrechner der Casio "ES"-Modellreihe. In der "SD"-Ausführung
verfügt der Rechner zusätzlich über einen Steckplatz für SD-Speicherkarten. Ergänzend zum Grafikrechner gibt es die PC-Software
"FX-9860G Manager Plus", die laut Casio-Prospekt "die gleiche Grundfunktionalität bietet" - was auch immer das heißen mag.
- Der Casio FX 1.0 Plus verschwindet nach nur 2 Jahren still und heimlich von der Bildfläche.
Schade, dass Casio ausgerechnet dieses Modell aus seinem Portfolio entfernt hat! (Den überflüssigen FX-7400 G Plus gibt es
immer noch ...)
2007
- Casio ergänzt den FX-9860G mit dem FX-9860G Slimline neben der SD-Version noch um eine dritte Variante, die funktionsgleich zum FX-9860G ist, aber aufklappbar wie ein kleines Notebook.
- Texas Instruments kann - nach langer Vorankündigung und Promotion - endlich den TI-nSpire
liefern, den es in einer CAS-Version und einer ansonsten funktionsgleichen Version ohne CAS gibt. Das entspricht der Philosophie,
die Casio drei Jahre vorher mit dem FX 1.0 Plus (kein CAS) und dem FX 2.0 Plus (wie FX 1.0 Plus, aber mit CAS) - anscheinend
erfolglos - verfolgt hat. Als Ergänzung - oder auch stattdessen - gibt es die TI-nSpire Software für den PC, die den gleichen
Leistungsumfang bietet wie der Taschenrechner. Zu Preisen ab 125 Euro bekommt man den TI-nSpire beim Fachversand.
- Nach rund 10 Jahren (wenn man den Vorgänger EL-9600 mitrechnet) hat Sharp den EL-9650 vom Markt genommen und hat damit derzeit mit dem FX-9900G nur noch einen Grafikrechner im Programm. Der Casio Classpad ist
nunmehr der einzige Taschenrechner mit Stiftbedienung auf dem Markt.
2010
- Die 2007 eingeführte "Slimline"-Variante des Casio FX-9860G ist (vermutlich mangels Interesse) wieder vom Markt verschwunden.
- Casio hat seine G-Reihe seit 2007 komplett überarbeitet. Die aktuelle Palette umfasst nun den FX-9860G II (SD) als leistungsstärkstes
Modell, den FX-9750G II mit etwas reduziertem Funktionsumfang und seit September 2010 ganz neu den FX-7400G II als Einstiegsmodell.
Gegenüber dem 2004 von mir getesteten Vorgänger FX-7400G Plus ist der Funktionumfang erheblich erweitert (es ist nun eine
grafisch-numerische Funktionsuntersuchung ebenso möglich wie das numerische Berechnen von Ableitungen und Integralen und
das Lösen polynomialer Gleichungen und linearer Gleichungssysteme) und die Auflösung des
Displays deutlich verbessert worden. Geblieben ist jedoch der günstige Preis von 40-45 Euro. Damit ist der FX-7400G II der mit Abstand günstigste
Grafikrechner auf dem Markt. Verzichten muss man allerdings nach wie vor auf das "Natural Display" (das hat Casio außerhalb der ES-Reihe
nur dem FX-9860G II spendiert) sowie auf die Möglichkeit, mit Matrizen zu rechnen.
- Nach mehreren Updates des Betriebssystems (seit Juli 2010: OS 2.1) hat Texas Instruments im Frühjahr 2010 auch in die Hardware
eingegriffen und dem TI-nSpire ein TouchPad spendiert: Die zentrale Cursortaste ist nur berührungssensitiv und lässt sich wie ein Touchpad
bedienen, um den Cursor über das Display zu bewegen. Meine eigene Erfahrung ist allerdings, dass diese Technik noch alles andere als ausgereift ist;
immer wieder kommt es zu Fehlbedienungen, weil das Touchpad die Bewegungen der Finger anders (oder auch mal gar nicht) deutet, als sie tatsächlich
waren. Die komplette Neugestaltung der Tastatur - die Buchstabentasten befinden sich jetzt in einem separaten Block und nicht mehr zwischen
den anderen Tasten - ist aber auf jeden Fall ein Fortschritt. Alle anderen Grafikrechner von TI sind im übrigen seit 2006 unverändert.