CAS ist die Abkürzung für "Computeralgebrasystem", eine komplexe und hochentwickelte Software. Taschenrechner mit einem solchen CAS sind in der Lage, nicht nur mit Zahlen (also "numerisch") zu rechnen, sondern auch mit Variablen, Termen und Symbolen (also "symbolisch") zu operieren. Man kann damit z.B. Terme umformen (ausmultiplizieren, faktorisieren, zusammenfassen), Gleichungen nach einer beliebigen Variablen umstellen und lösen, Ableitungs- und Stammfunktionen bilden und noch vieles mehr.
Möglicherweise sind dies die Schulrechner der Zukunft, die in einigen Jahren nicht viel teurer sind als die heutigen Standard-Schulrechner und dann zur Grundausrüstung jedes Schülers an einer weiterführenden Schule gehören. Bei Preisen ab 90 Euro stellt die Einführung eines solchen Taschenrechners in der Schule derzeit aber noch eine große Hürde dar. Leider hat sich hinsichtlich des Preises in den letzten 10 Jahren auch nicht viel getan - dafür werden die Geräte bei gleichem Preis immer leistungsfähiger.
Im Jahr 2004 habe ich die CAS-Taschenrechner von Texas Instruments und Casio einem umfangreichen Vergleichstest unterzogen. Dabei musste sich der Casio Algebra 2.0 Plus gegen den TI-89 Titanium behaupten und der Casio ClassPad 300 gegen den TI-Voyage 200.
Vorreiter auf dem Gebiet der CAS-Taschenrechner war Hewlett Packard (HP) mit dem HP-48 S(X), dessen Basismodell bereits 1989 auf den Markt kamen. Seitdem ist der HP-48 immer wieder verbessert worden und gehört auch 2007 in der Version HP-48G II noch zum HP-Taschenrechnerprogramm. Zur Seite gestellt wurden dem HP-48 einige Jahre später der HP-49 und das CAS-Einstiegsmodell HP-40. Das neueste CAS-Modell ist der HP-50. Alle HP-Rechner sind hinsichtlich Gehäuse und Display wenig innovativ - der HP-50 des Jahres 2007 sieht auf den ersten Blick nicht viel anders aus als ein HP-48 von 1989. Dafür glänzen die HP-Rechner mit inneren Werten: Die Qualität der implementierten Funktionen ebenso wie die technische Verarbeitung von HP-Taschenrechnern sind legendär und verhalfen den HP-Modellen seit jeher (nicht erst seit den CAS-Rechnern) zu einem besonders guten Ruf in Hochschulkreisen.
1995 gelang Texas Instruments mit dem TI-92 ein - im wahrsten Sinne des Wortes - großer Wurf. Der TI-92 war globig und schwer, verfügte dafür aber über eine komplette QUERTY-Tastatur. Anders als HP bemühte sich TI von Anfang an, mit dem TI-92 im schulischen Bereich Fuß zu fassen, was auch erfolgreich gelang. Für einige Jahre war Texas Instruments in diesem Segment praktisch konkurrenzlos, weil die HP-Rechner aufgrund ihrer Konzeption für den schulischen Einsatz nicht geeignet waren und die Hauptkonkurrenten - Casio und Sharp - keinen CAS-Rechner im Programm hatten, was für Sharp im übrigen bis auf den heutigen Tag gilt.
Im Jahr 1998 folgte mit dem TI-92 Plus eine verbesserte Version, die sich aber äußerlich nicht vom TI-92 unterschied. Gleichzeitig befriedigte TI aber auch diejenigen, die sich die inneren Qualitäten des TI-92 in einem Grafiktaschenrechner üblicher Größe wünschten, mit dem TI-89, der 2004 durch den leistungsstärkeren TI-89 Titanium zunächst ergänzt und dann ersetzt wurde. Der TI-92 Plus wiederum wurde im Jahr 2002 durch den optisch gelungenen sowie technisch verbesserten TI-Voyage 200 abgelöst.
Im Sommer 2007 wurde die Riege der CAS-Rechner von TI durch den schon für Herbst 2006 angekündigten TI-nSpire CAS ergänzt, der die Entwicklung zum Taschencomputer weiter fortsetzt. Wie schon der TI Voyage enthält der TI-nSpire nicht nur die Funktionalität eines CAS-Rechners, sondern außerdem eine dynamische Geometriesoftware (DGS), eine vollwertige Tabellenkalkulation, einen Texteditor und weitere Applikationen - allerdings keine große QUERTY-Tastatur. Dafür umfasst das Gesamtprodukt "TI-nSpire" nicht nur ein CAS-Modell und ein Modell ohne CAS, sondern auch eine PC-Software mit identischer Funktionalität, die auch als eigenständiges Produkt vertrieben wird und als solche die CAS-Software Derive ablöst. Derive war vermutlich die im schulischen Bereich verbreiteste CAS-Software, die vor einigen Jahren von Texas Instruments aufgekauft und bis zur Version 6.1 weiter entwickelt wurde; begraben wurde Derive nach dem Willen von TI Ende 2006, um der nSpire-Software Platz zu machen.
Im Frühjahr 2010 wurde die erste Modellreihe des TI-nSpire abgelöst durch den Ti-nSpire CAS Touchpad, bei dem die Tastatur komplett neu gestaltet und die zentrale Cursortaste nun (auch) die Funktion eines Touchpads übernimmt bzw. übernehmen soll. In der Praxis klappt das leider nicht immer reibungslos.
Im Jahr 1999 gelang es Casio als drittem Hersteller mit dem Algebra FX 2.0 einen CAS-Rechner auf den Markt zu bringen, der 2003 durch die verbesserte, insbesondere um finanzmathematische Funktionen und Differentialgleichungen erweiterte Version Algebra FX 2.0 Plus abgelöst wurde. Damit hatte Casio einen direkten Konkurrenten zum TI-89 geschaffen. Das Flaggschiff TI-92/Voyage mit DGS und großer Tastatur war aber weiterhin konkurrenzlos.
Dies änderte sich 2003 mit der Markteinführung des Casio ClassPad 300 als Konkurrenzprodukt zum TI-Voyage (ebenfalls mit dynamischer Geometriesoftware und anderen Goodies ausgestattet). Anstelle einer QUERTY-Tastatur verfügt er als besonderes Feature über ein Touchscreen mit - in ihrem Nutzen leider zweifelhafter - Stiftbedienung. Diese Technik gab es zwar schon in den 90er Jahren im Graphikrechner Sharp EL-9600 (später EL-9650), jedoch nicht so konsequent umgesetzt wie im ClassPad. Anfang 2005 reichte Casio den ClassPad 300 Plus nach, der sich hauptsächlich durch ein deutlich verbessertes Display vom Vorgänger unterschied. Ein "Plus" an Funktionalität bietet erst dessen Nachfolger ClassPad 330 Plus, der seit Herbst 2007 auf dem Markt und seitdem unverändert ist. Der ClassPad beherrscht dann auch das Rechnen in anderen Zahlensystemen, kennt zusätzliche Diagrammtypen und ist mit umfangreichen finanzmathematischen Funktionen ausgestattet.